Evangelische Kirchengemeinde Waldstetten
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"Unterbrich mich nicht, ich bete" 

- eine Geschichte zum Sonntag Rogate, 17.5.2020

 

»Vater unser im Himmel.«

»Ja?«

»Unterbrich mich nicht! Ich bete.«

»Aber du hast mich doch angesprochen!«

»Ich dich angesprochen? Äh...nein, eigentlich nicht. Das beten wir eben so: Vater unser im Himmel.«

»Da - schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht's?«

»Geheiligt werde dein Name...«

»Meinst du das ernst?«

»Was soll ich ernst meinen?«

»Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst. Was bedeutet das denn?«

»Es bedeutet...es bedeutet...meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet. Woher soll ich das wissen?«

»Es bedeutet, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzigartig wichtig bin, dass dir mein Name wertvoll ist.«

»Aha. Hm. Ja, das verstehe ich... Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden...«

»Tust du was dafür?«

»Dass dein Wille geschieht? Natürlich! Ich bete doch! Außerdem gebe ich Geld für die Mission, für die Armen, für Misereor und für Brot für die Welt.«

»Ich will mehr. Dass dein Leben in Ordnung kommt. Dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden, dass du von anderen her und hin anders denken lernst. Dass allen Menschen geholfen werde und Du von mir erzählst, auch deinen Kolleginnen und Mitarbeiterinnen. Ich will, dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden, denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du doch für mich!«

»Warum hältst du das ausgerechnet mir vor!? Was meinst du, wie viele steinreiche Heuchler in den Kirchen sitzen. Schau die doch an!«

»Entschuldige. Ich dachte, du betest wirklich darum, dass mein Herrschaftsbereich kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet. Erst wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du eine Botschafterin meines Reiches sein.«

»Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt mal weiter beten? Unser tägliches Brot gib uns heute...«

»Du hast Übergewicht, meine Liebe! Deine Bitte schließt die Verpflichtung ein, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches

Brot bekommen. Und außerdem - es gibt auch noch anderes Brot.«

»Du meinst das Brot, das die in der Kirche verteilen?«

»Ja, zum Beispiel. Du bittest darum, aber Du willst es gar nicht; sonst wärst Du letzten Sonntag gekommen. Dieses Brot ist mein Sohn, der dir helfen wird.«

»Helfen? Wobei? Mir geht's doch ganz gut...«

»Ja? Dann bete doch noch eine Bitte weiter...«

»Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern...«

»Und Thomas?«

»Thomas? Jetzt fang' du auch noch von dem an! Du weißt doch, dass er mich öffentlich blamiert, dass er mir jedesmal dermaßen überheblich entgegentritt, dass ich schon wütend bin, bevor er seine herablassenden Bemerkungen gemacht hat. Und das weiß er auch! Er lässt meine Meinung nicht gelten - nur das, was er sagt, ist richtig, dieser Typ hat...«

»Ich weiß, ich weiß. Und dein Gebet?«

»Ich meinte es nicht so.«

»Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit so viel Bitterkeit und Abneigung herumzulaufen?«

»Es macht mich krank.«

»Ich will dich heilen. Vergib' Thomas, so wie ich Dir vergebe. Dann sind Überheblichkeit und Hass die Sünden von Thomas und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld, ganz sicher verlierst du ein Stück Ansehen, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen.«

»Hm. Ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.«

»Ich helfe dir dabei, ich schenke Dir Kraft und Nahrung. Durch das Brot meines Sohnes.«

»Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen...«

»Nichts lieber als das! Meide bitte Personen oder Situationen, in denen du versucht wirst.«

»Wie meinst du das?«

»Du kennst doch deine schwachen Punkte! Unverbindlichkeit, Finanzverhalten, Sexualität, Aggression, Erziehung. Gib dem Versucher keine Chance!«

»Ich glaube, das ist das schwierigste Vaterunser, das ich je gebetet habe. Aber es hat zum ersten Mal was mit meinem Leben zu tun.«

»Schön. Wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende.«

»Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.«

»Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, aufrichtig zubeten, mir nachzufolgen und dann das zu tun, was mein Wille ist. Wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich selbst glücklich macht.«

Nach einer Idee von Clyde Lee Herring

Andacht zum Sonntag Jubilate am 3. Mai 2020 

Wochenspruch: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Psalm: 63 / EG 729   Lieder: EG 182 Halleluja, suchet zuerst EG 637 Ins Wasser fällt ein Stein

Text: Johannes 15,1–8  Der wahre Weinstock

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.

3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Liebe Schwestern und Brüder,

Was kommt eigentlich bei unserem Leben heraus? Was ist das Ergebnis unseres Lebens? Dem alltäglichen und unserem ganzen Leben?

Viele, besonders junge Leute sagen heute: Spaß muss dabei rauskommen. Das ist sicher nicht falsch. Das gehört sicher auch dazu. Aber ist das alles? Viele der älteren Generation sagen dazu: man muss seine Pflicht tun; z.B. Geld verdienen, damit ich mich und meine Familie versorgen kann. Und das sollte auch im Leben sichtbar werden. Auch das ist sicher wichtig, aber ist das alles? Ist auch das tatsächlich alles?                                                                                                        Jesus gibt uns hier dazu mit seinem Bildwort eine besondere Antwort: Liebe! Liebe muss herauskommen. Dieses Wort kommt zwar nicht im Text vor, aber aus dem Zusammenhang wird es deutlich: Wir Menschen sind geschaffen zum Ebenbild Gottes. Und das entscheidende Kennzeichen Gottes ist die Liebe. Also ist die Liebe das entscheidende Kennzeichen der Jünger Jesu. Das soll also rauskommen aus unserem Leben: Liebe! Liebe zu Gott und Liebe zu mir selbst so wie zu meinem Nächsten. Wenn das aber nicht rauskommt, dann bleibt am Ende nur das Abgeschnitten sein vom Leben, vom Weinstock. Aber, und auch das vermittelt das Bild: Gott, der Weingärtner schaut nach seinen Weinstöcken und den Reben. Er ist noch an der Arbeit an uns! So schnell gibt er diese Früchte nicht auf, die da an Jesus dem Weinstock hängen. Paulus schreibt dazu einmal: Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit. Allerdings dürfen wir auch das nicht vergessen: Wenn alle diese Dinge in unserem alltäglichen Leben nicht wachsen, dann droht Jesus, dass wir die Verbindung zu ihm früher oder später verlieren und nach einem fruchtlosen Leben im Tod enden werden. Wie kann also mein Leben tatsächlich fruchtbar werden und bleiben? Antwort: Indem ich an Jesus dranbleibe.

Und wie kommt die Verbindung mit ihm zustande? Ganz einfach: Durch den Glauben an ihn. Sobald ich mit ganzem Herzen und ehrlicher Überzeugung an Jesus glaube und ihn als meinen Herrn bekennen, ist die Verbindung da. So sprechen wir es ja auch im  Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an Gott, den Vater … und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.“ Manchmal mag dieser Glaubenssatz voller Zweifel sein, besonders dann, wenn wir angefochten sind, wenn uns Angst befällt, Not, Sorgen, Krankheit und Zweifel. Vielleicht erinnern wir uns an die Jahreslosung: Ich glaube, hilf meinem Unglauben.                                                  Das ist jenes Wort, das der Vater ausrief, der wegen seines todkranken Sohnes zu Jesus kam: „Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben.“ Aber wir dürfen wissen, genau da ist der Geist Gottes schon in uns. Darum schreibt Paulus: "Niemand kann sagen: Jesus ist der Herr, außer durch den Heiligen Geist“.

Vielleicht kennen Sie das schöne Lied von Manfred Siebald aus dem Gesangbuch (EG 637) "Ins Wasser fällt ein Stein". Gerne wird es bei Taufen oder Hochzeiten gesungen. Aber es passt eigentlich an einem jeden neuen Tag. Es handelt von der Liebe von Gott, die in uns Wohnung nehmen möchte.
"Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise;
und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt,
da wirkt sie fort in Tat und Wort hinaus in unsre Welt."

Ist es tatsächlich so einfach? Ja ist es wirklich. Dazu kann uns vielleicht eine Anekdote aus dem Leben des Musikers und Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy weiter helfen:

Es wird erzählt, dass der berühmte Musiker und Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy einmal nach Freiburg kam, um sich im Münster die große Orgel anzusehen. Der alte Mesner weigerte sich, ihn auf dem Instrument spielen zu lassen; denn er kannte ihn nicht. Schließlich erklärte er sich widerstrebend bereit, ihn ein paar Takte spielen zu lassen. Mendelssohn nahm auf der Orgelbank Platz, und schon brach die herrlichste Musik aus dem königlichen Instrument hervor. Der Mann war sprachlos vor Staunen. Er kam heran und fragte den großen Musiker nach seinem Namen. Als er hörte, wen er vor sich hatte, stand er tief betroffen da und machte sich bittere Selbstvorwürfe. „Wie konnte ich Ihnen nur die Erlaubnis zum Spielen auf dieser Orgel verweigern!“

So ist es auch mit Jesus. Er will unser Leben gestalten und seine Lebensmelodie aus uns hervorlocken. Wenn wir es ihm nicht verweigern, dann wird er unserem Leben eine himmlische Musik entlocken, nämlich die Liebe, die uns und andere immer mehr von ihm überzeugen wird. Wie aber bleibt man nun im Glauben und wächst darin? Es ist Jesus selbst, der das in uns bewirkt. „Keine Rebe kann Frucht bringen aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt.“ Wie kann ich als Rebe am Weinstock Jesus bleiben? Ganz einfach, indem ich höre, was er sagt. Dadurch wachse ich auch im Glauben. „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu Euch gesagt habe.“ Und die Nahrung dazu ist Gottes Wort. Und dieses Wort will täglich zu unseren Mahlzeiten dazugehören. Täglich neu will Jesus sein Wort und seinen Geist in uns hineinströmen lassen, um Frucht zu wirken: Liebe, Freude, Frieden, Geduld … Und dann passiert noch etwas weiteres: ich selber darf erfahren: Ich bin geliebt. Gott liebt mich! Mit all meinen Stärken und Schwächen. Noch einmal dazu Manfred Siebald:

Nimm Gottes Liebe an. Du brauchst dich nicht allein zu müh'n,
denn seine Liebe kann in deinem Leben Kreise zieh'n.
Und füllt sie erst dein Leben, und setzt sie dich in Brand,
gehst du hinaus, teilst Liebe aus, denn Gott füllt dir die Hand.

„Ihr seid rein um des Wortes willen, das ich zu Euch gesagt habe.“ So sagt es Jesus. "Ihr seid geliebt, bedingungslos!" Das macht uns frei. Frei für die Liebe Gottes, die durch uns wirken möchte. Und so kann ich voller Freude und Liebe mein Leben erfüllt leben, für mich und für andere. Und wenn am Ende eben diese Liebe herauskommt, dann kommt wirklich etwas gutes aus unserem Leben heraus. Dann ist das ein wunderschönes Ergebnis.

Amen.

Andacht für Sonntag, 26.April 2020  

Wochenspruch: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Johannes 10,11a.27.28a)

Psalm: 23 (EG 711) Predigttext: 1. Petrus 2,21b-25 Lieder: EG 274 Der Herr ist mein getreuer Hirt; EG 391 Jesu geh voran; EG 610 Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer

1. Petrus 2,21b–25

Mahnungen an die Sklaven

21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;
22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;

23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;
24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Liebe Gemeinde,

ein jeder Mensch braucht etwas, an dem er sich orientieren kann, denn unser Leben ist bisweilen sehr verwirrend. Das kann die politische Großwetterlage sein, eine Krankheit, die so zerstörerisch wirkt auf die Gesundheit und den Alltag - siehe Coronavirus, das kann auch eine verwirrende Menge an so genannten Trends unserer modernen Zeit sein. Und sehr viel näher merken wir das besonders dass wir andere Menschen brauchen an denen wir uns persönlich orientieren können. Auch das gilt in verschiedenster Hinsicht. Wir brauchen jemand, an den wir uns anlehnen können. Die Verunsicherung des Lebens ruft in uns immer die Sehnsucht nach so etwas wie einer Leitfigur wach. Und es gibt in unserer Umwelt vielleicht auch viele, die sich als Leitfigur anbieten. Sie meinen zu wissen, wie alles geht. Sie haben schnelle Lösungen bei der Hand. Die Sehnsucht der Menschen in den Verunsicherungen geht aber tiefer. Vielleicht ist eine Lösung gar nicht möglich. Es gibt Umstände, die lassen sich im Moment nicht lösen. Eine Krankheit auszukurieren braucht seine Zeit. Eine Prüfung nach einer Ausbildung braucht Zeit. Sogar Sterben braucht manchmal seine Zeit. Schnell lösbar ist das alles sowieso nicht. Was hilft, ist aber Verständnis. Leute mit schnellen Lösungen haben oft kein Verständnis und sind in Wahrheit keine Hilfe.

Petrus sagt uns heute an wem wir uns besonders gut orientieren können, und das ist Jesus, der gute Hirte. Das ist auch das Thema dieses Sonntag. Aber Petrus zeigt uns keinen starken Jesus. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Er ist eigentlich ein Widerspruch in sich selbst. Petrus malt uns ein Bild von Jesus als dem guten Hirten der leidend und verletzlich ist. So wie wir eben auch sind.

Und so schreibt er: „Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der nicht wider schmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet; der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.“

Petrus erinnert uns an das Leiden Jesu am Kreuz. Er malt den ohnmächtigen Hirten. Aber genau an dieser Stelle ist die Macht zum Heil – zur Heilung: Durch seine Wunden seid ihr heil geworden, sagt er. Es ist das Bild von Jesus als dem leidenden Heiland – ohnmächtig, geschunden und geschlagen.

Nun fragen wir aber: Ausgerechnet der soll helfen? Der ist doch selbst hilfsbedürftig. Stimmt, ist er auch. Aber: Er selbst hat Gott vertraut. Ja, er wirkt wie der hilflose Helfer. Genau an dieser Stelle ist er aber wirklich hilfreich, denn er kennt die Situation der Hilflosigkeit und der Unlösbarkeit unserer Lebenssituationen. Und wenn wir ihn als den Auferstandenen glauben, dann erfüllt er unsere Sehnsucht nach Verständnis.

Das ist für uns der erste Schritt. Das müssen wir erkennen und akzeptieren: Der hilflose Helfer hilft, indem er unsere Hilflosigkeit versteht, unsere Aussichtslosigkeit und unserer Ratlosigkeit. Jesus wirkt auf uns wie ein Spiegel, in dem wir uns mit den Brüchen und den Kanten des Lebens in ihm wieder erkennen. Er ist darin wie wir. Und wenn wir genau hinschauen bleibt Jesus ja nicht in der Hilflosigkeit stecken. Er hat Gott vertraut. Gott hat durch ihn dem Tod die Macht gebrochen. In seiner Hilflosigkeit kommt uns trotz aller Hilflosigkeit noch etwas Anderes entgegen: Eine Einladung zu einem bewussten Leben mit Gott. Gott hat den Überblick und er weiß die Lösung für die Dinge unseres Lebens, die uns im Moment unlösbar scheinen. Wer ihm vertraut, wird durchgetragen.  

Nun müssen wir das aber eben auch annehmen. Aber genau darin erweist Jesus sich auch als jemand, der uns Orientierung geben kann: „Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen", so schreibt Petrus.

Ja, das Leben kann uns verwirren und in Ratlosigkeiten bringen. Aber es gibt einen, der da ist und mit uns geht. Er ist die Antwort auf unsere Sehnsucht nach Orientierung und Halt. Er versteht uns als der hilflose Helfer. In ihm können wir uns in unseren Hilflosigkeiten wieder erkennen.

Freilich: Auch Jesus hat nicht einfach die schnellen Lösungen und die passenden Antworten parat, aber die liebevoll führende Hand und die wärmende Nähe. Er ist so der Hirte unserer Seele. Und er teilt uns so seine Liebe mit. Ganz konkret erfahren wir das im Gebet, im Gespräch mit Gott. Und dazu gehört besonders der 23. Psalm. Es ist ein Text voller Trost. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Da werden mit Worten Bilder der Geborgenheit gemalt vom Weiden auf der grünen Aue und vom Gehen auf der richtigen Straße des Lebens. Es wird aber auch das Bild vom Trost entfaltet, dass der gute Hirte auch in den Tälern der Lebensdunkelheit bei uns ist. „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“.

Im Gebet können wir mit Jesus sprechen wie mit einem guten Freund. Und im Gebet können wir auch schweigen, um auf seine Stimme zu hören in unserem Inneren oder in den Worten eines anderen. So erfahren wir Jesus als den, der uns Orientierung gibt in unserem Leben. Er schenkt Geborgenheit. Und er gibt uns Halt und Kraft für den Weg durch die Zeit. Und er hat die Lösung bereits jetzt, die wir noch nicht sehen.

AMEN

Gebet:

Vater im Himmel, wir danken dir für deine Gegenwart in unserem Leben.
Zu dir können wir mit unseren Sorgen und Ratlosigkeiten kommen. Du gehst mit uns mit durch die Tiefen des Lebens. Wir bitten dich für uns und für alle, die sich in einem Tief befinden: im Tief der Krankheit, im Tief der Ratlosigkeit, im Tief der Erfahrung des Todes. Gehe du mit ihnen mit und lass sie deine Nähe spüren.
Vater im Himmel, sieh das Schicksal der Menschen an, die ihre Heimat verlassen mussten.
Schaue auf ihre geschundenen Seelen und Körper. Lass sie neue Heimat finden, die der Gewalt und dem Terror entflohen sind. Befähige du aber auch die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die Ursachen der Flucht zu beseitigen.
Vater im Himmel, wir danken dir für deine Gegenwart in unserem Leben.
Du trägst uns mit deinem Erbarmen. Stärke unser Vertrauen auf dich als den guten Hirten
für unsere Seelen. Lass uns so an deiner Hand zuversichtlich durch die hellen Wiesen und die dunklen Täler des Lebens schreiten.
Vater im Himmel, wir danken dir für deine Gegenwart in unserem Leben. Schenke den Frieden für die Welt, damit Gerechtigkeit wachsen kann zwischen den Menschen.
Segne alle Bemühungen um einen Ausgleich der Güter der Erde. Segne alles Forschen, damit es deine Gegenwart verherrlicht und dem Wohle der Menschen dient.

Vater unser ...

Andacht Sonntag nach Ostern 19.4.2020  

Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3)  

Wochenpsalm: Psalm 116 (EG 746)  Lied: EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein   

Gedanken zum Predigttext am Sonntag nach Ostern Jesaja 40, 26-31  

Liebe Schwestern und Brüder,  

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.
30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Liebe Gemeinde,

"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“. Für mich bleibt von diesem Satz vor allem hängen: Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Das bedeutet doch: wir sind nicht nur erfüllt von Hoffnung- das wäre ja auch schon viel! Sondern jeder und jede von uns, wir alle gemeinsam, wir sind lebendige Hoffnung – von Ostern her. Aber: Lebendige Hoffnung sein, ich?! Etwa wie eine Kerze in der Hand? Manchmal hell leuchtend. Voller Gottvertrauen und Zuversicht. Manchmal flackernd. Voller Ängste und Zweifel. Ja, Lebendige Hoffnung! Wir alle hier in Waldstetten, Wißgoldingen, Straßdorf und Rechberg, gemeinsam als Gemeinde. Und weit darüber hinaus, verbunden mit Christen und Christinnen aus aller Welt, verbunden von Ostern, von der Auferstehung Jesu Christi her. Verbunden zu einer lebendigen Hoffnung – stärker als der Tod. Wir sind lebendige Hoffnung. Hoffnungslichter. Mal hell leuchtend, mal flackernd. Doch nicht aus uns selbst kommt das Licht. Sondern von Gott her. Gottes Licht, das uns leuchtet, gerade auch in der Finsternis und sei es der Tod. Davon erzählt auf eigene Weise auch die Verheißung des Propheten Jesaja. Eine Verheißung, die zuerst und bleibend den Juden und Jüdinnen gilt. Eine Verheißung, in die Christen und Christinnen hinein genommen werden durch Jesus Christus.  Hoffnungslicht in finsterer Zeit. Das hatten die Menschen, denen die Verheißung des Propheten Jesaja zuerst zugesprochen wurde, auch bitter nötig. Denn wie finster waren die Zeiten! Die Babylonier waren in Jerusalem eingefallen und hatten den Tempel niedergebrannt. Der Ort des Glaubens, der Zuversicht und des Trostes – verbrannt. Und in den Trümmern des Tempels und der anderen niedergebrannten Häuser: Menschen, die traumatisiert und orientierungslos in Jerusalem zurückbleiben und zwischen den Kriegstrümmern herumirren. Genauso wie Menschen heute in Syrien, im Jemen, an so vielen Kriegsorten unserer Welt. Und ich denke an die vielen Familien denen durch die Corona-Pandemie der Arbeitsplatz weg gebrochen ist, die einen lieben Menschen durch die Krankheit verloren haben, die tatsächlich Angst haben vor der Zukunft. Und in diese finstere Zeit hinein also spricht der Prophet Jesaja die Verheißung Gottes: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Zu etwas, das bis heute schwer fällt, schon in persönlichen Krisen, dazu ermutigt Gott durch den Propheten: nämlich den Blick nicht allein auf die Finsternis zu richten. Sicher, vielleicht gibt es Momente im persönlichen Leben und in Gewalt und Kriegen auf der Welt, in denen nichts da ist außer Finsternis. Aber in so vielen anderen Momenten kann es gut tun, den Blick zu heben. In all dieser Weite, in allem auch, was unverständlich ist, bleibt Gott nahe. Gott bleibt nahe trotz und gerade in der Finsternis. Für mich klingt hier ein Lied an, das wir oft als Kinderlied singen, das aber auch uns Erwachsenen Trost geben kann: Weißt du, wie viel Sternlein stehen (EG 511)?  Gott, geheimnisvoll und unerforschlich, bleibt doch nahe. Trotz und gerade in der Finsternis. Und hier wird die Verheißung des Propheten Jesaja ganz persönlich und seelsorgerlich: Gott gibt den Müden Kraft und Stärke genug den Ohnmächtigen. Den Müden gibt Gott Kraft. Hier ist nicht von einer wohligen Müdigkeit die Rede, sondern eine Müdigkeit, wie manche von uns sie auch kennen werden: Müdigkeit nach einer durchwachten Nacht, in der manche Sorgen wie schwarze Vögel um uns kreisen. Müdigkeit, die die Augenlider schwer und die Knie zittrig macht. Müdigkeit, die erschöpft und auslaugt. Die letztlich dazu führt, dass man sich fühlt, wie von Watte umhüllt – und das Leben mit all seinen Sinnen kommt gar nicht mehr richtig an mich heran. Diesen Müden und Ohnmächtigen gibt Gott Kraft und wir dürfen das auch ganz persönlich hören. "Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden." Wie schön ist das denn?! Eine Verheißung, die wir persönlich verstehen dürfen, und die zugleich den Müden und Ohnmächtigen, den Niedergedrückten und Gestrauchelten in aller Welt gilt: Gott wird uns neue Kraft schenken, dass auch wir auffahren mit Flügeln. Wir haben hier in unseren Breiten vielleicht nicht so sehr Adler vor Augen. Sondern jetzt in den Frühlingstagen eher Amseln oder Meisen. Doch auffahren mit Flügeln wie eine Amsel, das wäre ja auch schon mal was! Amen.

Es grüßt Sie ganz herzlich Ihr Pfarrer Jörg Krieg.

Andachten zu Karfreitag und Ostern

Tagesspruch zu Karfreitag: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

Psalm: 22 (EG 709)  Lieder: EG 85 O Haupt voll Blut und Wunden; EG 93 Nun gehören unsre Herzen

Gedanken zum Predigttext für Karfreitag 2. Korinther 5, (14b-18)19–21

Liebe Schwestern und Brüder,

Da stehen sie nun unter dem Kreuz mit ihren zerplatzten Träumen. Wie viel Hoffnung hatten sie in diesen Mann gelegt, der sie mit so viel Begeisterung, so viel Charisma aus ihrer lähmenden Enttäuschung gerissen hatte. Ihrer Enttäuschung über die Mächtigen in Politik, Religion und Gesellschaft. Bei Jesus sahen sie einen Aufbruch, Handeln, eine echte Hoffnung. Davon redeten andere nur. Und nun hängt der Träger ihrer Hoffnung am Kreuz, schreit nach seinem Gott oder nimmt sein Leiden in Ergebenheit an – je nach den Erzählungen der Evangelisten. Das war es wohl mit dem Gottesreich. Alle aber treibt die Frage um: Bleibt irgendetwas von diesem charismatischen Menschen, ist da etwas zu bewahren oder ist sein Tod wirklich die totale Niederlage? Wird man sich erinnern an den, der dort am Kreuz hängt? Bleibt sein Werk bestehen? Können sie selber, die Jüngerinnen und Jünger Jesu, sich etwas bewahren? Füllt sich die unendliche Leere in ihren Herzen nach seinem Tod irgendwann wieder mit einem Sinn? Was können sie überhaupt bewahren? Sein Antlitz, seinen Körper, seine Worte, seine Gesten? Diese Fragen stellen sich auch alle, die über seinen Tod hinaus von diesem besonderen Leben bis heute erzählen wollen. Paulus versucht in seinen Worten diesem Tod einen Sinn zu geben. Der Tod eines Menschen ist dann nicht sinnlos, wenn er über den Tod hinaus eine Bedeutung hat. Paulus sagt, Jesus ist „für mich“ gestorben. Einer ist für alle gestorben, sagt er, nimmt etwas auf seine Schultern, trägt meine Last, meine Schuld. Der Tod ist dann nicht mehr nur einfach sinnlos, verliert vielleicht etwas von seinem Schrecken, von der grenzenlosen Einsamkeit, von der Sinnlosigkeit, die ich im Angesicht des Todes empfinde. Und Paulus geht noch einen Schritt weiter: Stirbt Jesus für mich, für uns, und so ist auch mein eigenes Sterben in ihm aufgehoben, so bin ich in seinen Verheißungen geborgen. Wenn er aber für mich gestorben ist, dann gilt das auch für die Auferstehung. Ich trage auch das Merkmal der Auferstehung in mir. Eine Hoffnung, die über den Tod hinaus reicht. Paulus sieht im Tod Jesu am Kreuz einen Sühnetod. Jesus ist gestorben, damit alle Menschen vor Gott gerechtfertigt sind und damit er für uns den Tod überwindet. Amen.

Und das führt uns direkt zu Ostern!

Tagespruch zu Ostern: Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb. 1,18)

Psalm: 118 (EG 747) Lieder: EG 99 Christ ist erstanden ; EG 116 Er ist erstanden, Halleluja

Gedanken zum Osterevangelium Markus 16,1-8 Ostersonntag, 12.4.2020:  

Liebe Schwestern und Brüder,

„Das kann doch nicht alles gewesen sein", mögen die Frauen unterwegs zum Grab voll Trauer gedacht haben. Sie hatten endlich einmal einen Menschen erlebt, der mit seinem ganzen Leben  dem Willen Gottes entsprach. Der nicht nur immer geredet und angekündigt und die anderen ermahnt und angepredigt, sondern der selber gelebt hat, was er predigte. Und der dabei immer wieder anderen geholfen und nicht an sich gedacht hat, Menschen, die blind oder taub oder gelähmt waren. Und dass man mitten in der Angst im Gottvertrauen doch getrost leben darf.  Unterwegs ist den Frauen ihre ganze Ohnmacht deutlich geworden. Gegen den Tod kann man selber nichts machen. Die Frauen wissen es. „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ Sie selber jedenfalls nicht. Der große Stein - wie ein Symbol für unsere ganze menschliche Ohnmacht gegenüber dem Tod. Der mächtige Tod, der am Ende alles Leben vernichtet. Aber, so sollen wir nicht denken. Auch nicht, wenn wir einen lieben Menschen loslassen müssen. Und im Blick auf uns selber auch nicht. Bei aller nötigen Bescheidenheit: Wir haben alle ein ganz wertvolles Leben von Gott zugeteilt bekommen. Ostern sagt uns: Nein, das ist nicht alles gewesen. Dort bei den Frauen war dann auch alles ganz anders. Der Stein war weg, das Loch offen, das Grab leer. Als die Frauen das Ostergeschehen wahrnehmen, begreifen sie allerdings nicht. Wie sollten sie auch! Sie sind starr vor Entsetzen. Und deshalb stürmen die Frauen nicht voll Jubel davon, singen und jubilieren in den Gassen Jerusalems. Fassungslos stürzen sie davon wie von einem gespenstischen Ort. Und dann unterschlagen sie sogar das erlebte Osterereignis. Obwohl ihr Auftrag war, es zu verkünden. Der Glaube der ersten Christen an Ostern ist eher blamabel. Auch wir glauben lieber, was zu unseren Erfahrungen passt und wir begreifen können. Es muss schon eine Botschaft aus einer anderen Wirklichkeit kommen, eine Stimme, die uns etwas zuspricht, was wir von uns aus nicht wissen und eigentlich von uns aus auch nicht glauben können: „Nein, hier ist er nicht. Nicht bei den Toten. Er, der Lebendige, er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden." Wenn wir etwas tun können, dann ist es, mit dem Wunder zu rechnen, dass der Stein doch wegrollt, der Stein, der in unserem Verstand herum liegt und unseren Glauben verhindern will. Damals geschah das Wunder, dass die Osterwirklichkeit eine solche Kraft hatte, dass sie allen Unglauben überwand und sich durchsetzte. Die Frauen, die Jünger, viele andere bis heute sind dem Auferstandenen persönlich begegnet, und bis heute folgen viele Menschen in dieser Welt dem Auferstandenen nach. Und wir haben es gemerkt: Tatsächlich, er ist mitten unter uns. Lebenskräfte gehen von ihm aus. In seinem Namen wurden Kranke gesund. Der Auferstandene gab neuen Lebensmut. Das Programm Gottes läuft weiter. Leben statt Tod. Den ersten Zeugen der Auferstehung wurde gesagt: „Geht, dann werdet ihr ihn sehen!" Das gilt auch uns. Geht glaubend euren Weg in dieser Richtung zum ewigen Ziel beim auferstandenen Christus. Ein Stück vom Himmel ist dort für jeden von uns reserviert. Eine wunderbare Osterbotschaft. Amen.  

Es grüßt Sie alle ganz herzlich zu Karfreitag und zu Ostern, Ihr Pfarrer Jörg Krieg.

Andacht zum Predigttext am Palmsonntag Markus 14,3–9                  am 5.4.2020

Wochenspruch: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben (Joh. 3,14b.15)

Wochenpsalm:  Psalm 69 / EG 731   Wochenlied: EG 314  Jesus zieht in Jerusalem ein  Predigttext: Markus 14,3-9

Wir empfehlen auch den Youtubekanal des Kirchenbezirks unter "Worte der Hoffnung".

Die Salbung in Betanien

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Liebe Schwestern und Brüder,

Besuch hat sich angesagt. Besonderer Besuch. Aus der Küche wabert der Duft von frisch gebackenem Kuchen. Auf dem Esstisch steht das Kaffeeservice, das sonst nie benutzt wird, ein Erbstück von den Großeltern. Das Badezimmer wurde noch einmal geputzt und riecht nach Frische und Sauberkeit. Das Gästebett ist frisch bezogen, mit Bettwäsche, die gestern draußen im Freien trocknete. Nun geht die Gastgeberin hinaus in den Garten. In ihrer Hand eine Gartenschere. Am alten Rosenbusch sucht sie die schönsten Blüten aus. Sie schneidet alle Blüten ab, die sie finden kann! Zurück im Haus verteilt sie sie auf verschiedene Vasen. Eine stellt sie in die Diele, eine auf den Kaffeetisch, eine ins Gästezimmer. Der betörende Duft dieser alten Rosensorte erfüllt das ganze Haus. Es ist eine besondere Gelegenheit und die will gewürdigt sein. Der Gast soll spüren wie sehr sich die Gastgeberin auf ihn gefreut hat. Er soll sich willkommen fühlen. Ihm wird besondere Ehre zuteil. So einen Aufwand treiben wir nicht oft. Meistens benutzen wir unser Alltagsgeschirr und sitzen in der Küche. Meistens gibt es dann etwas zu feiern, eine Hochzeit oder einen runden Geburtstag. Manchmal sind es aber auch traurige Umstände: Jemand liegt im Krankenhaus und wir bringen Blumen oder Obst mit. Es kommt uns in den Sinn, dass unser Leben nicht einfach immer so weitergeht. Dann verschönern wir den Augenblick, kosten ihn aus. Dann ist uns das Beste gerade gut genug. Und wenn jemand stirbt, dann gehört zu einer Trauerfeier auch dieser Überfluss: Blumen und Kränze schmücken das Grab. Sie werden bald verwelken. Aber für den Moment entfalten sie die ganze Schönheit des Lebens. Und sie zeigen die Wertschätzung für den oder diejenige, die wir da zu Grabe tragen. Solche Gedanken an besondere Momente aber auch an Abschied können uns an einem Tag wie dem Palmsonntag einfallen: Jesus zieht in Jerusalem ein und wird wie ein König begrüßt. Und gleichzeitig wissen wir: Es kommt der Karfreitag. Es kommen die schwer aushaltbaren Erzählungen von Verrat und Verlassenheit und Folter bis hin zum Tod am Kreuz. Durch all das muss Jesus hindurch bis endlich der Ostermorgen anbricht. Doch zunächst geschieht etwas wunderbares, etwas sehr schönes in Betanien: Was muss das für ein Duft gewesen sein, der damals den ganzen Raum erfüllte! Er entfaltete seine beruhigende, Angst lösende Wirkung. Und was muss das auch für ein Gefühl gewesen sein für Jesus! Nicht nur einige Tropfen, nein den ganzen Inhalt des Gefäßes verwendete die Frau um ihn zu salben. Eine Wohltat, eine Überraschung, ein einmaliges Erleben! Und er genießt es. Doch dann holen ihn die Stimmen der Männer ein. Sie hatten den Wert des Öls überschlagen: ein Jahreseinkommen für einen Tagelöhner, eine große Summe Geld. Aber nicht nur das. Sie hielten dagegen, was man mit diesem Geld nicht alles hätte tun können, wie viele Arme man hätte speisen können. Ja, Menschen haben oft ein besonderes Gemisch aus Gefühlen und Gedanken: da sind die Männer, in deren Essensrunde eine Frau hineinplatzt und Jesus unverschämt nahe kommt. Niemand von ihnen hatte ihn mit solchen Ehren überhäuft. Und da sind die Jünger, die für Jesus ihre Existenz aufgegeben hatten. Und sie treffen hier auf eine Frau, die anscheinend über großen Reichtum verfügt und ihn gar verschleudert. Neid, Missgunst, Unsicherheit - das alles können sie hinter dem „Totschlagargument“ vom Geldwert des Öls verstecken. Und dieses Aufrechnen ist etwas zutiefst Menschliches. Wir rechnen mit unserem Geld. Wir rechnen uns aus, ob etwas Gewinn bringt. Ob sich der Aufwand lohnt. Wie Kosten und Ertrag im Verhältnis stehen. Wir bestehen auf den Spielregeln. Und das gilt auch für die Moral. Die Frau in unserer Geschichte beeindruckt mit ihrer Gewissheit. Jetzt ist die Gelegenheit! Sie kommt herein und bricht das Gefäß auf. Sie fragt nicht, sie tut es einfach. Sie rechnet nicht. Sie liebt. In der Liebe gibt es keine Kalkulationen. Liebe ist verschwenderisch. Liebe verschiebt nichts auf später, sie ist ganz im Jetzt. Was sie verschwendet ist nicht vergeudet. Liebe erfasst was Gedanken nicht fassen können. Ja, dieser Wanderprediger ist ein König. Am Tisch sitzt der Messias, der Gesalbte. Und Jesus nimmt die Frau in Schutz. „Lasst sie!“ Dann bringt er ein Argument vor, dem man auch nichts entgegensetzen kann: „Sie hat mich auf mein Begräbnis gesalbt.“ Damit stellt er einen anderen Zusammenhang her. Er spricht etwas aus, was niemand wahrhaben wollte. Jesus wird in Kürze sterben und es wird keine Begräbnisfeier geben. Das ist der Liebesdienst, den die Frauen dann am Ostermorgen tun wollen: Jesus salben. Wir wissen aber, dass es nicht möglich sein wird. Aber jetzt schon trägt der Duft Jesus durch die kommenden Tage. Und uns auch. Auch wenn wir vielleicht eher protestantisch nüchtern sind, wird er seine Wirkung nicht verfehlen. Amen. 

                                                           Es grüßt Sie herzlich, Ihr Pfarrer Jörg Krieg.