Evangelische Kirchengemeinde Waldstetten
Aktuelles

Öffentliche Stellungnahme zu gesellschaftlichen Entwicklungen wird mit überwältigender Mehrheit von den Kirchengemeinderäten des Bezirks angenommen

"Es ströme aber das Recht wie Wasser
und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ (Amos 5,24)
Einwurf des Evangelischen Kirchenbezirks Schwäbisch Gmünd
in aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen


Mit großer Sorge nehmen wir die aktuelle gesellschaftliche Situation wahr.
Wir beobachten gefährliche Tendenzen:
Meinungsunterschiede werden zu Gegensätzen verschärft und Verbindendes wird zerrissen.
Die Sprache im Umgang miteinander wird roher und rücksichtsloser.
Politische Thesen werden bewusst provokant formuliert und anschließend halbherzig zurück-genommen.
Für allgemeine gesellschaftliche Probleme werden z.B. allein Flüchtlinge verantwortlich ge-macht.
Wir sind darüber hinaus zutiefst beunruhigt über die selbstherrlichen und nationalistischen Entwicklungen weltweit.
Als Christinnen und Christen leben wir in großer Freiheit. Deshalb müssen wir uns entschei-den, welche innere Haltung unser Denken, Sprechen und Handeln lenken soll. Wir selbst sind aufgerufen, für unsere christlichen Werte einzutreten. Wir nehmen diese Verantwortung als Kirchenbezirk und Kirchengemeinden wahr, beteiligen uns am gesellschaftlichen Dialog und suchen gemeinsame Lösungen.
Frieden, Solidarität und Nächstenliebe sind Maßstäbe christlichen Handelns. Wir sind in Jesu Nachfolge gerufen. Er verweist uns an unsere Mitmenschen und die Welt, in der wir gemein-sam leben. Solches Handeln steht unter der Verheißung Jesu: "Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. ... Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Got-tes Kinder heißen“ (Die Seligpreisungen, Matthäus 5).
In der Gegenwart leitet uns der reformatorische Gedanke der Freiheit.
Martin Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ führt uns vor Augen, dass Freiheit nie wirklich Freiheit sein kann ohne Verantwortung und Dienst am Mitmenschen. In der Demokratie ist diese Freiheit aller am besten gewährleistet. Wir beobachten deshalb mit Sorge, wenn demokratische Institutionen in unserem Land nicht mehr geachtet werden. Ent-schieden wenden wir uns gegen jede Verbreitung von rassistischem und antisemitischem Ge-dankengut. Unsere Kirchen und Gemeinden sollen diskriminierungsfreie Räume sein. Die Bibel gibt uns zu bedenken: „Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott“ (Römer 2,11).
Die Verrohung der Sprache in den sozialen Netzwerken, bei Demonstrationen auf der Straße und im alltäglichen Umgang macht uns tief betroffen. Wir wollen sensibel mit unserer Sprache umgehen. Wir treten herabwürdigender oder verletzender Sprache gegen Menschen, wegen
ihrer Hautfarbe, Herkunft, Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Prägung in unseren Kirchengemeinden entgegen. Aus der Bibel lassen wir uns ermahnen: „Unsere Rede soll freundlich sein und mit Salz gewürzt.“ (Kolosser 4,6).
Die Bibel beschreibt Aufbruch und Flucht in der Geschichte der Menschheit und der Völker. Dabei ist unser Glaube herausgefordert, sich mit gelebter Menschlichkeit zu bewähren. Das biblische Gebot gilt uns auch heute: „Der Fremde soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen“ (3. Mose 19,34). Und nur so werden wir dem Zuspruch Jesu gerecht: „Ich bin hungrig gewe-sen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen“ (Matthäus 25,35).
Große Teile unserer evangelischen Kirche haben im Nationalsozialismus versagt. Darum treten wir heute entschieden für die Eckpfeiler unseres gesellschaftlichen Lebens ein: Menschen-würde, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, Pressefreiheit und Demokratie (Grundgesetz). Wir stehen in unserer Verantwortung als Kirchenbezirk und Kirchengemeinden für diese Werte auch öffentlich ein. Wir treten für einen friedlichen und konstruktiven gesellschaftli-chen Umgang ein.
Unseren „Einwurf“ verstehen wir als Beitrag zu einem solchen Dialog.
Die Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Schwäbisch Gmünd, 29. März 2019